Gruppe Basso

Forschungsschwerpunkt: Diagnose, Epidemiologie und klinische Bedeutung von Infektionen durch zystenbildende Kokzidien und andere Parasiten

 

Diagnosis and epidemiology of infections by cyst-forming coccidian parasites

Diagnose und Epidemiologie von Infektionen durch zystenbildende Kokzidien bei Haus-, Nutz- und Wildtieren

Zystenbildende Kokzidien (Apicomplexa: Sarcocystidae) sind protozoische Parasiten mit indirekten Lebenszyklen, die eine asexuelle Vermehrung und Zystenbildung in extraintestinalen Geweben ihrer Zwischenwirte sowie eine sexuelle Vermehrung mit Oozystenbildung im Darm ihrer Endwirte umfassen. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Neospora caninum, Toxoplasma gondii, Besnoitia besnoiti und verschiedene Sarcocystis-Arten, die sowohl in der Veterinär- als auch in der Humanmedizin von grosser Bedeutung sind.

Infektionen mit T. gondii und N. caninum gehören zu den wichtigsten Ursachen von Reproduktionsstörungen bei Nutztieren, insbesondere von Aborten bei kleinen Wiederkäuern bzw. Rindern. Wiederkäuer können sich entweder durch die Aufnahme von Oozysten infizieren, die von den Endwirten mit dem Kot ausgeschieden werden (d. h. Feliden für T. gondii; Haushunde, Dingos, Kojoten und Wölfe für N. caninum), oder durch eine diaplazentare Übertragung des Parasiten von der Mutter auf den Fötus.

Während Rinder und andere Wiederkäuer die primären Zwischenwirte von N. caninum darstellen, können alle warmblütigen Tiere, einschliesslich des Menschen, als Zwischenwirte von T. gondii fungieren. Karnivore und omnivore Tiere können sich zudem durch den Verzehr von Gewebe infizierter Wirte anstecken, in denen die Parasiten in Form von Gewebezysten, hauptsächlich in Muskel- und Nervengewebe, persistieren.

Bei Schweinen verlaufen Infektionen mit T. gondii häufig subklinisch; dennoch spielen chronisch infizierte Schweine sowie andere fleischliefernde Tiere wie Wiederkäuer und Wild eine wichtige Rolle für die öffentliche Gesundheit, da sie bedeutende Infektionsquellen für den Menschen durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch darstellen. Beim Menschen kann die Toxoplasmose insbesondere bei kongenitalen Infektionen oder bei immunsupprimierten Patienten schwere Erkrankungen verursachen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die Toxoplasmose als die parasitäre Zoonose mit der höchsten Inzidenz beim Menschen sowie als eine der wichtigsten lebensmittelbedingten Erkrankungen weltweit ein.

Besnoitia besnoiti ist der Erreger der bovinen Besnoitiose, einer chronisch verlaufenden Erkrankung, die tödlich verlaufen kann mit ausgeprägten Hautveränderungen sowie reproduktiven Beeinträchtigungen, einschliesslich Orchitis und Infertilität bei Bullen. In der Schweiz ist diese Erkrankung meldepflichtig und Gegenstand eines nationalen Tilgungsprogramms.

Die Gattung Sarcocystis umfasst derzeit über 200 beschriebene Arten, wobei für viele der vollständige Lebenszyklus und die Endwirte noch nicht bekannt sind. Infektionen verlaufen in der Regel subklinisch und sind nur gelegentlich in akuten Fällen mit klinischen Symptomen verbunden. Einige Sarcocystis-Arten sind zoonotisch, wobei der Mensch als End- oder Zwischenwirt fungieren kann, je nach Sarcocystis Art. Infektionen bei Nutztieren können mit eosinophiler Myositis sowie mit der Verwerfung von Schlachtkörpern aufgrund makroskopisch sichtbarer Zysten oder Fleischveränderungen einhergehen. Beim Menschen wurden Fälle von Lebensmittelvergiftungen durch den Verzehr von mit Sarcocystis infiziertem Fleisch beschrieben.

Die erhebliche veterinärmedizinische, humanmedizinische und ökonomische Relevanz dieser Parasiten unterstreicht die Notwendigkeit weiterführender Forschung zu ihrer Biologie, Epidemiologie und Pathogenese. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Entwicklung immunologischer und molekularer Methoden zur Verbesserung der Routinediagnostik sowie zur Unterstützung klinischer und epidemiologischer Studien.

Ziele dieser Forschungslinie sind:

(i) die Erfassung des Vorkommens und der Verbreitung von Infektionen mit T. gondii, N. caninum und Sarcocystis spp. bei Hauswiederkäuern, südamerikanischen Kameliden (SAK) und Wildtieren, (ii) die Optimierung serologischer Testverfahren für die Diagnostik, (iii) die Identifizierung von Risikofaktoren, die Infektionen mit diesen Protozoen begünstigen, (iv) die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen diesen Infektionen und Aborten, Reproduktionsstörungen sowie klinischen Erkrankungen sowie (v) die Charakterisierung der molekularen Epidemiologie dieser Parasiten.

Weitere Forschungslinien:

Avian malaria and other haemosporidian parasites in captive birds and white storks

Vogelmalaria und andere Parasiten bei gehaltenen und wildlebenden Vögeln

Die Vogelmalaria ist eine vektorübertragene Erkrankung, die durch Plasmodium-Arten verursacht wird und weltweit zahlreiche Vogelarten betrifft. Bei den meisten endemischen und ziehenden Vögeln verläuft eine Infektion meist subklinisch; nicht-heimische Arten in menschlicher Obhut, wie Pinguine und Papageientaucher, können jedoch hohe Morbiditäts- und Mortalitätsraten aufweisen

Ziele dieser Forschungslinie sind:

(i) die Identifizierung von Infektionen mit haemosporidischen Parasiten (Plasmodium spp., Haemoproteus spp. und Leucocytozoon spp.), Isospora spp. und Trypanosoma spp. bei gehaltenen und wildlebenden Vögeln in der Schweiz, (ii) die molekulare Charakterisierung der beteiligten Parasiten sowie, (iii) die Bewertung der klinischen Bedeutung dieser Infektionen.

Link

Trypanosomen – Gefährden Blutparasiten die Nachzucht von Alpenseglern?

 

Strongyloides stercoralis Infektionen bei Hunden

Strongyloides stercoralis ist ein weltweit verbreiteter intestinaler Nematode, der vor allem Menschen und Hunde befällt. Die canine Strongyloidose äussert sich meist durch Durchfall, Malabsorption und Bronchopneumonie und kann bei immungeschwächten Tieren tödlich verlaufen. Molekulare und epidemiologische Studien der letzten Jahre deuten darauf hin, dass populationsspezifische, wirtsangepasste Varianten von S. stercoralis mit unterschiedlichem zoonotischem Potenzial existieren könnten. In der Schweiz werden zunehmend klinische und subklinische Fälle bei importierten sowie lokal geborenen Hunden diagnostiziert, was auf eine aktuelle Zirkulation des Parasiten in Europa hinweist.

Ziele dieser Forschungslinie sind:

(i) die Untersuchung des Vorkommens von S. stercoralis bei Hunden,

(ii) die Analyse klinischer und therapeutischer Aspekte der Infektion,

(iii) die molekulare Charakterisierung der Parasitenpopulationen sowie

(iv) die Bewertung des zoonotischen Potenzials und der epidemiologischen Bedeutung dieser Infektion.

Link

Strongyloides stercoralis – prevalence and co-infection in pet dogs and people in Switzerland (MCID funded project)